Tatort Stadion in Münster eröffnet!

Am Montag wurde die Ausstellung Tatort Stadion 2 in Münster mit einer kleinen Gala eröffnet. 70 Besucher und Besucherinnen nutzten die erste Chance, sich die Ausstellung bei Musik, Speis und Trank anzuschauen.
Thomas Jannßen von BAFF begrüßte die Anwesenden mit einer kurzen Rede, die hier nachzulesen ist.
Am Mittwoch geht es mit dem ersten Vortrag über Fußballfans, Ultras und die extreme Rechte weiter.

Presse:
„Oft fängt es mit Sprüchen an: Fußballfans gegen Diskriminierug“

Rede:
Liebe Besucherinnen und Besucher von Tatort Stadion 2 in Münster, liebe Veranstalterinnen und Veranstalter,

Tatort Stadion 2 ist in Münster angekommen, und darüber freuen wir uns ganz besonders. Wir, das sind die Leute vom Bündnis aktiver Fußballfans BAFF, die diese Ausstellung gestaltet haben. Vor etwa einem Monat bekamen wir das Programm der Ausstellung hier, und seitdem sind wir immer wieder begeistert, was in Münster alles auf die Beine gestellt wird. Workshops, sechs ausgesprochen interessante Veranstaltungen in knapp drei Wochen, das ist eine ganze Menge – Respekt! Wir freuen uns, unser Baby in so einem so anregenden Umfeld zu sehen.

Tatort Stadion 2 ist – das sagt der Name schon, die Fortsetzung von Tatort Stadion. Als diese Ausstellung 2003 in meiner Heimatstadt Bremen zu Gast war, war ich 17 und fuhr gerade seit einem Jahr regelmäßig zum Fußball. Rückblickend kann ich sagen, dass mich diese Ausstellung nachhaltig geprägt hat, und ich habe den Eindruck, dass es einigen, die heute aktiv sind, so geht.

Gelegenheit, die Ausstellung zu sehen, gab es auch genug. Seit 2001 durchlief sie fast 200 Stationen im gesamten deutschsprachigen Raum. Dabei half sie vielerorts, in den einzelnen Gruppen die Auseinandersetzung mit dem Thema Diskriminierung anzustoßen oder zu vertiefen. Das Engagement dabei kam von der Basis – also von den Fans und eben nicht vom DFB oder einzelnen Profivereinen.

Vor allem der DFB spielte damals eine unrühmliche Rolle, als er Zitate seines damaligen Präsidenten Mayer-Vorfelder nicht in der Ausstellung sehen wollte. Unter Theo Zwanziger stellt sich der Verband hier ganz anders dar: So äußert sich der DFB heute deutlich gegen Homphobie und Antiziganismus – Formen von Diskriminierung, die in den 90er Jahren noch kaum ein Thema waren.

Auch wenn man nicht jede gute Entwicklung der letzten 10 Jahre Tatort Stadion zuschreiben kann – die Ausstellung hat viel bewegt. Und so ist vieles, was auf den – mittlerweile auch arg mitgenommenen – Tafeln steht, heute nicht mehr aktuell. Allerdings nicht, weil Diskriminierung abgeschafft worden wäre: Sie ist weiterhin sehr verbreitet, auch wenn sie in den letzten Jahren nicht mehr so offensiv zu Tage trat. Eine neue Ausstellung musste also her.

Dem Anspruch, heikle Themen anzusprechen, sahen wir uns dabei weiterhin verpflichtet. Tatort Stadion 2 soll Diskussionen anregen: sei es über Strukturen innerhalb von Ultragruppierungen, die Raum für Männlichkeitskult und dämliches Reviergehabe bieten. Über den vermeintlich friedlichen Party-Patriotismus zu internationalen Fußballturnieren. Oder über die Geringschätzung gegenüber Frauen, die Fußball spielen oder auf den Rängen ihr Team unterstützen.

Gerade in Bezug auf die Fans, aber auch auf den DFB ist es uns aber auch wichtig, Engagement gegen Diskriminierung zu würdigen. Wir freuen uns, dass wir auf nahezu allen Tafeln davon berichten können, was gegen Diskriminierung getan wird. Gerade über junge Fußballfans wird allzu häufig nur im Kontext von Gewalt und Randale berichtet. Ein problematisierender Diskurs um die Ultrakultur beherrscht die Medien, aber auch den sportpolitischen Kontext. Tatort Stadion wirft einen positiven Blick auf diese Szenen und zeigt, wie viele junge Leute den Fußball mit einem – wie wir finden – sehr positiven gesellschaftspolitischen Engagement verbinden.
Denn auch wenn es im Untertitel „Fußball und Diskriminierung“ heißt: Es geht hier um Probleme, die in der gesamten Gesellschaft eine Rolle spielen. Im Fußball werden sie nur deutlicher. Über Diskriminierung beim Fußball zu reden heißt für uns, über die Gesellschaft zu reden.

Ziel von Tatort Stadion 2 ist also nicht ein weichgespülter Fußball, sondern ein Stadion, eine Gesellschaft, in der jede und jeder unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung, Geschlecht und was auch immer Platz findet. Ziel ist ein Fußball und eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung von Menschen, die offen für andere sind und ihnen mit Respekt begegnen.

In diesem Sinne wünschen wir: Viel Erfolg hier in Münster!